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Allergie gegen Implantate und Prothesen

Seltene Komplikation nach Operationen

Die bei orthopädischen und unfallchirurgischen Eingriffen verwandten Implantate werden im Allgemeinen gut vertragen. Jährlich erfolgen allein in Deutschland viele hunderttausende Eingriffe, die nicht nur den Gelenkersatz als führende orthopädische Operation betreffen.

Auch im unfallchirurgischen Bereich und der regenerativen Gelenkchirurgie werden viele Fremdmaterialien als Implantat verwandt. Kommt es dann zu Problemen, müssen viele Ursachen diskutiert werden [1].

Implantate werden trotz kutaner Allergie vertragen

Allergische Reaktionen sind dabei als Komplikation sehr selten. Einschränkend ist zu sagen, dass dies auf Basis der Literatur nicht valide zu diskutieren ist. Die verschiedenen allergischen Reaktionen werden teilweise sehr kontrovers diskutiert. Der Typ IV im Sinne eines Spättyps scheint vorzuherrschen. Mit Verweis auf die Nickelkontaktallergie und andere kutane Metallsensibilisierungen stehen der guten Verträglichkeit dieser Materialien im orthopädischen Bereich relativ hohe Raten in der allgemeinen Bevölkerung für kutane, allergische Reaktionen gegenüber. 2008 wurde hierzu ein exzellenter Übersichtsartikel von Thomas und Thomsen im Orthopäden veröffentlicht [2]. Im endoprothetischen Bereich werden hier vor allem die Metallallergien und Knochenzementallergien zur Diskussion gestellt. Es ist jedoch bestens bekannt, dass trotz kutaner Metallallergie die eingebrachten Metalle reaktionslos vertragen werden [3,4]. Bei bekannten Allergien werden trotzdem modifizierte Implantate für allergische Patienten verwandt. Hierbei handelt es sich in der Regel um beschichtete Prothesen, bei denen es jedoch zu bestimmten Verschleißformen kommen kann, die zu einer deutlich kürzeren Überlebensrate des Implantats führen. Klinische Langzeitergebnisse liegen für keine Allergieimplantate vor. Bei positiver Anamnese sind die Implantate im Hinblick auf die bekannten Allergien mit dem Patienten gegebenenfalls genau zu diskutieren. Es muss aber noch mal betont werden, dass aus dem Bereich der Endoprothetik bestens bekannt ist, dass trotz kutaner Reaktion die Implantate gut vertragen werden [3].

Diagnostik

Sollte es postoperativ zu Problemen kommen, ist der Infekt wiederholt auszuschließen, bevor eine Allergie zu diskutieren ist. Weiterhin sind die allgemeinen chirurgischen Komplikationen wie bspw. die Implantatfehlplatzierungen zu beachten. Statistisch betrachtet ist die Allergie gegenüber diesen bekannten Komplikationen sehr selten. Die Abklärung sollte von Spezialisten durchgeführt werden. Hier ist neben der allergologischen Anamnese der Lokalbefund rund um das Implantat als kutane Reaktion zu dokumentieren. Weiterhin ist eine differenzierte Intrakutantestung mit einer erweiterten Implantattestserie gegebenenfalls indiziert. Diese sollten ergänzt werden um eine Biopsie und histologische Beurteilung bei periimplantärer Reaktion. Ergänzend ist der Lymphozytentransformationstest (LTT) hilfreich. Nochmal muss vor einer Über- und Fehlimplantation explizit gewarnt werden. Im unfallchirurgischen Bereich sollte bei positiver Anamnese auf ein Implantat mit Titanisierung ausgewichen werden. Vor geplanten orthopädischen Eingriff sollte nach Allergien gefragt werden. Die routinemäßige Allergietestung ist aus unserer Sicht jedoch nicht indiziert. Ganz allgemein raten wir von Metall-Metall-Gleitpaarungen ab. Dies hat eine besondere Gewichtung bei bekannter kutaner Reaktion auf Metalle. In diesem Falle sollte auf jeden Fall auf eine Metall- Metall-Gleitpaarung verzichtet werden. In der Aufklärung sollte dieses Thema dokumentiert werden. Wir möchten noch einmal betonen, dass die Implantatallergie als Reaktion sicher deutlich unter dem Risiko eines Infektes liegt.

Fazit

Die Literaturdatenlage ist indifferent. Es handelt sich um eine seltene Komplikation im Vergleich zu anderen. Für die modifizierten Oberflächen beschichteter Implantate als Alternativen fehlen Langzeitergebnisse. Im Vordergrund steht die gut dokumentierte Aufklärung des Patienten, auch im Hinblick auf die Überwertung allergologischer Befunde allein auf Basis kutaner Befunde.

Literatur
[1] Thomas P., Thomas M. (2008): Allergy diagnostics in implant intolerance. Orthopade 37(2):131-5. PubMed PMID: 18227997. Allergiediagnostik bei Metallimplantatunvertraglichkeit.

[2] Thomas P., Schuh A., Ring J., Thomsen M. (2008): Orthopedic surgical implants and allergies: joint statement by the implant allergy working group (AK 20) of the DGOOC (German association of orthopedics and orthopedic surgery), DKG (German contact dermatitis research group) and dgaki (German society for allergology and clinical immunology. Orthopade 37(1):75-88. PubMed PMID: 18210082. Orthopadisch-chirurgische Implantate und Allergien : Gemeinsame Stellungnahme des Arbeitskreises Implantatallergie (AK 20) der Deutschen Gesellschaft fur Orthopadie und Orthopadische Chirurgie (DGOOC), der Deutschen Kontaktallergie Gruppe (DKG) und der Deutschen Gesellschaft fur Allergologie und Klinische Immunologie (DGAKI).

[3] Carlsson A MH. (1989): Implantation of orthopaedic devices in patients with metal allergy. Acta Derm Venereol 69:62 – 6.

[4] Thienpont E., Berger Y. (2013): No allergic reaction after TKA in a chrome-cobalt-nickel-sensitive patient: case report and review of the literature. Knee Surg Sports Traumatol Arthrosc. 21(3):636-40.

Stichwörter:
Implantate, Prothesen, regenerative Gelenkchirurgie, kutane Metallsensibilisierungen, kutane allergische Reaktionen, Allergieimplantate, Implantatfehlplatzierungen, Biopsie, histologische Beurteilung, Implantatallergie

MSN 5 / 2013

Diese Artikel wurden veröffentlicht in Ausgabe MSN 5 / 2013.
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